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Urlaubsgrüße der Politiker – die Show geht weiter.

Urlaub oder doch Urloup? Und was soll das Ganze eigentlich heißen? Beim Lesen der Sonntagskrone stelle ich mir so einige Fragen. Von den Politikern will ich wissen, was der Eiertanz um ihre (wohlverdiente?) Auszeit soll?

Urloup

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres – ich glaub da sind wir uns einig. Endlich mal ein, zwei Wochen die Früchte der ganzen Hackelei ernten und sich mal so richtig was gönnen. Großartig!

Zeit auch, die Seele baumeln und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Was gar nicht so einfach ist. Bei mir kommen die gleich wieder zurück, also die Gedanken, und stellen eigenartige Fragen. Zum Beispiel: Warum heißt das eigentlich „Urlaub“? Dr. Google weiß Rat: Unser modernes Wort „Urlaub“ kommt vom althochdeutschen „Urloup“ und heißt so viel wie „Erlaubnis“. Die nämlich brauchte ein Ritter von seinem Lehnsherren, um in Urloup (damals Kreuzzug) fahren zu können.

Natürlich auf Rumpelpiste, mit Eselskarren und einem insgesamt eher überschaubaren Entspannungslevel. Wenn man sich den Weg in die Stadt freikämpfen muss und ständig Angst hat die eigenen Leute zu verlieren, bleibt die innere Ruhe doch ziemlich auf der Strecke. Heute kennt man sowas vom Familienurlaub zur Hochsaison. Eine schreckliche Verletzung der Menschenwürde.


Spitzenpolitik macht Auszeit.

Doch es geht auch anders, wie unsere Damen und Herren Spitzenpolitiker kürzlich via Krone-Sonntagsbeilage mitteilen ließen. Wenn Bunt-Chefin Edda Graf jedoch sehr menschelnd davon redet, dass die Politiker nicht nur sich, sondern damit auch „uns“ eine Auszeit gönnten – so stimmt gerade das nicht. Selbst der Urlaubsbericht unserer Polit-Topverdiener ist ein Feuerwerk der Manipulation.

Vizekanzler Werner Kogler etwa macht – wie es sich für einen Grünen gehört – Öko-Urlaub mit ganz, ganz winzigem Fußabdruck – aber nur auf den ersten Blick. Zuerst geht’s für ihn mit dem Nachtzug und Drahtesel im Gepäck nach Genua, dann weiter nach Korsika. Mutmaßlich zum Radln. Ach, wie herzerweichend grün. Könnten wir nur alle so vorbildhaft nachhaltig leben…

Was Kogler unter den Tisch fallen lässt, aber dem Wiffzack nicht entgeht: Korsika ist natürlich eine Insel und um auf selbiger nachhaltig radeln zu können, brauchts die Anreise per Schiff. Sehr wahrscheinlich mit der „Mega Express Five“ oder einem ähnlichen 180m „Boot“. Ausgestattet mit 2 Dieselmotoren und einer Gesamtleistung von 46.200 PS bringt sie den Vizekanzler in nur fünfeinhalb Stunden ans Ziel seiner Träume.

Die grüne Urlaubsreise per Turi-Dampfer – nicht ganz so nachhaltig wie Kogler es uns gerne weismachen möchte. Sowas sieht „das Klima“ gar nicht gern. Du-Du-Du Vizekanzler!


Wie man es vermeintlich besser macht, zeigt uns NÖ-Landesmutti Johanna Mikl-Leitner. Statt in die Ferne zu schweifen entspannt sie mit Ehemann „Miki“ und den beiden Töchtern bei „glücklichen Schweinen“ in Pöggstall (NÖ). Yoga am Bauernhof und eine kräftige Briese Landluft als bodenständiger Ausgleich zum harten Polit-Geschäft – scheint Hanni uns auszurichten. Im Nebensatz versteckt: Nach dem Pressetermin beim Borsten-bürsten zischt die Familie ab nach Italien. Wo und wie, wird nicht erzählt. Ich gehe aber mal davon aus, dass es eher nicht das 3-Stern Garni in Bibione sein wird.

Aber auch, wenn man uns im Dunklen darüber lässt, wo die Landesmutti ihren echten Urlaub zu genießen pflegt, vielleicht ergibt sich für sie ja doch die Chance für ein kurzes Pläuschchen mit einem „ihrer“ Bürgermeister.


Auch SP-Chef Andreas „Traiskirchen“ Babler gönnt sich nämlich „ein paar Tage Familienauszeit“ am Meer. Angereist sei er mit dem Bus – das war ihm wichtig zu sagen. Ihm dem Arbeiterführer, der „seine Leute“ gerne zu 100km/h auf Autobahnen verdonnern möchte. Wo Bablers dann die Füße hochlegen, wollte er hingegen nicht verraten. Ich mutmaße mal: „Seinen Leuten“ in der sozialistischen äää… sozialdemokratischen Partei, würd‘s eher nicht gefallen. Rendi-Wagners Luxus-Trip an die Côte d'Azur samt Sektchen im Edel-Club steckt denen noch in den Knochen – markerschütternd.


Bundeskanzler Karl Nehammer ist nicht ganz so verschwiegen: Gemeinsam mit Frau und Kindern gings nach Kreta, und zwar – ganz wichtig – im Charterflieger statt der Businessclass. Das musste er seiner Kathi abringen und dem PR-Team versprechen. Weil Stallgeruch wichtig ist, um vom gemeinen Volk als einer der ihren akzeptiert zu werden. Ob man nun Schweine streichelt oder Holzklasse fliegt, nur nicht zu dick auftragen. Die kommende Wahl wird auch so schon schwer genug!


Warum bitte diese lächerliche Show?

Ok, den grimmig dreinschauenden Kickl am Wilden Kaiser, WKO-Mahrers Wanderpass-Statistik und den Ludwig beim Webstuhl angucken, spar ich mir jetzt im Detail. Viel wichtiger ist doch die Herren und Dame zu fragen, ob sie ihr Volk ernsthaft für so - bitte um Entschuldigung – blöd halten, diese lächerliche Show liefern zu müssen? Als Klubobleute, Landeshauptleute, Bundeskanzler und Vizekanzler werden zwischen 18.000 und knapp über 26.000€ monatlich (!) verdient. 14x und zuzüglich großzügiger Spesenkonten. Alle oben genannten schwimmen im wahrsten Sinne im Geld und spielen uns hier die Sparstrümpfe vor. Warum?

Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Gründe, um nicht übers Einkommen und die damit verbundenen Annehmlichkeiten zu reden: Entweder weil man sich schämt für die eigene Leistung so schlecht bezahlt zu werden oder aber weil man genau weiß so viel Geld, nie und nimmer „verdient“ zu haben.

Was mag hier wohl zutreffen?

PS: Ich wünsche allen einen schönen Urlaub. Auch jenen die mit Auto, Schiff oder per Businessclass ins 6-Sterne-Luxusressort jetten. Lasst es euch gut gehen 😊 (Kolumne erschienen auf exxpress.at am 11.08.23)





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