Soll VdB Präsident bleiben?

Alexander van der Bellen (78) bewirbt sich erneut für das Amt des Bundespräsidenten. Diesmal als Kandidat der politmedialen Elite. Für mich die Gelegenheit zurück und auch ein kleinwenig nach vorne zu schauen.

Rot-Schwarzer Proporz gefallen.

Bei weitem nicht die letzte, aber mit Sicherheit die sichtbarste Bastion Rot-Schwarzen Nachkriegsproporzes ist seit der Bundespräsidentenwahl 2016 Geschichte.

Statt in dankbarer Unterwerfung die (Vor-)Auswahl der Reichshälften zu akzeptieren, begehrte das Volk auf und war bereit, am Tiefpunkt großkoalitionärer Bundespolitik, ein strahlendes Zeichen der Erneuerung zu setzen. Mehr als einen Wahlgang brauchte es dafür nicht. Ein Affront! Die alte Ordnung zur Unkenntlichkeit erschüttert.


Dasselbe in Grün. VdB enttäuscht.

Wer sich vom Sturz des Ancien Régime jedoch auch eine aktive(re) Amtsführung erwartete, einen Bundespräsidenten, der statt Grüßaugust tatsächlich auf Staatsoberhaupt macht, der hatte mehr als genug Gelegenheit sich seine persönliche Enttäuschung abzuholen.

Beginnend mit der Angelobung von Türkis-Blau im Jahr 2017:

„Ich täte es nicht!“ mimte VdB noch wenige Monate zuvor den Helden der Linken. Nur um es am Ende dann eben doch zu tun.

Weil ihm "Ja Kruzitürken, (…) nichts anderes übrigbleibt.", wie man ihn später zitieren wird.

Was übrigens – bis auf das mit den Türken – exakt dieselben Worte waren, mit denen sich zwei Jahrzehnte zuvor schon Thomas Klestil von jeder Verantwortung am freiheitlichen Mitregieren reinwusch. Immerhin ging Klestils böse Mine zum bösen Spiel als Polit-Protest feiner Klinge in die heimischen Geschichtsbücher ein.

Ganz im Gegensatz zu Van der Bellen, der dem Hofburg-Stelldichein mit Raucherkammerlkollege Strache doch einige Schmunzler abgewinnen konnte.

Der Herr Professor halt.

Aber damit nicht genug. Auch in den folgenden, innenpolitisch mehr als turbulenten Jahren schien „Sascha“ bestenfalls Passagier zu sein.

Wer darauf hoffte, der Präsident würde nach geduldig ertragenem Ungemach rund um Wahlkampfkosten, Abhöraffäre, Überfall auf den Verfassungsschutz, Postenschacher, E-Mail-Affäre, Shredder-Gate und Spendenskandal, zumindest nach Auffliegen der Ibiza-Geschichte ein Machtwort sprechen, wartete ebenfalls vergebens.

Von seiner sehr realen Kompetenz als Bundespräsident die Regierung zu entlassen, machte VdB keinen Gebrauch.

Stattdessen überließ er dem Bundeskanzler das Krisenmanagement und gelobte brav an was und wer auch immer ihm vorgeschlagen wurde.

Statt Erneuerung gab‘s dasselbe in Grün. Statt dem Aufbrechen des Rot-Schwarzen Proporzes, eine neue Proporz-Partei.


Neue Unabhängigkeit.

Doch Vorsicht, so einfach ist das nicht. Seit Mai 2016 ist Alexander van der Bellen unabhängig. Kein Grüner mehr. Kein Präsident einer Partei, sondern einer für alle.

Ganz ohne Etikettenschwindel. Es geht um‘s „Da sein für Österreich“ wie man sich auf der präsidentiellen Kampagnenwebsite in Erinnerung rufen darf.

Konsequenterweise soll daher auch der Wahlkampf allein durch Crowdfunding finanziert werden. Durch Klein- und Kleinstspenden, von der Oma bis zum Enkerl, vom Bauhackler bis zur Oberärztin.

Alle sollen die Möglichkeit haben ihren Präsidenten durch diese schwierige Zeit zu begleiten und auch finanziell seine absolute Unabhängigkeit sicher zu stellen.

So wie es die Grünen mit einem Kleinstbetrag von lediglich 500.000€ bereits getan haben. Wie sinnvoll man in den Parteien doch mit unserem Steuergeld umgeht.


Die Herausforderer: So sinnlos wie entbehrlich.

Doch auch wenn man sich vom Wechsel an der Staatsspitze dort oder da vielleicht mehr erwartet hätte. Wenn einem der Türkis-Grün-Rot-Pinke Schulterschluss rund um VdB eigenartig vorkommen mag und man angesichts großzügiger Kleinstspenden einzelner Akteure, erst eine neue Definition von „Unabhängigkeit“ lernen muss, so ist eines doch völlig klar: Alternativen gib’s nicht!

Allesamt sinnlose Kandidaten und entbehrlich für unsere Demokratie – wie es aus dem Umfeld der Etablierten tönt. Was hätte Österreich schon von so unnötigen Spaßkandidaten, wie diesem hier:


Name:

Dr.med. Dominik Wlazny, 36 Jahre (Studium: Universität Wien, Diplomarbeit zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Azithromycin)

Beruf:

Gründer und Geschäftsführer mehrerer Mittelständischer Unternehmen mit Erfahrung in unterschiedlichsten Bereichen, von Kunst und Kultur, über die Lebensmittel-, bis hin zur Werbebranche. Zudem Autor mehrerer Bücher und Humorist.

Politisches und zivilgesellschaftliches Engagement:

Philanthrop, Gründer und Spitzenkandidat einer bundesweiten Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Politik mit Herz, Hirn und Anstand zu betreiben und Österreich zum Positiven zu verändern. Erklärte Ziele dabei: Die Stärkung der Wirtschaft, Förderung der Kulturarbeit, Kampf der politischen Korruption, Klimaschutz, Einsatz gegen Immobilienleerstand, Förderung einer gesunden Arbeitswelt, Unterstützung der Nahversorgung und Ausbau des öffentlichen Verkehrs.


Hört sich doch nicht so schlecht an, was Präsidentschaftskandidat Dr. Wlazny alias Marco Pogo und seine Bierpartei vorhaben. Oder? Also ich schäme mich nicht für Österreichs Talente. Meine Stimme hat er.

(Kolumne erschienen auf exxpress.at am 01.07.22)