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Klimapolitik als Klassenkampf von oben.

Die Energiewende braucht Anpacker – Handwerker und Hilfskräfte, die nicht reden, sondern tun. Oft sind aber gerade sie es, die sich das teure Öko-Equipment selbst gar nicht leisten können. Daniela Holzinger über eine Klimapolitik als Klassenkampf von oben.

Fördermonster

Vor einiger Zeit habe ich meine Kolumne genutzt, um über Pleiten, Pech und Pannen zur PV-Investitionsförderung zu schreiben. Irre, welche Hürden man sich einfallen hat lassen, um den Leuten am Weg zur Energiewende zusätzlich Prügel vor die Füße zu werfen. Statt einfach die Umsatzsteuer auf PV-Anlagen zu streichen, wurde ein neues, grünes Bürokratiemonster gezüchtet.

Anträge kann man nicht einfach stellen, nein, da gibt’s sogenannte – Achtung neu-denglische Wortschöpfung – „Fördercalls“.

Die Parole: Ab 5 Uhr wird zurückgeklickt! Wer dafür allerdings länger als 5 Minuten braucht, hat kaum noch Chancen gefördert zu werden. Diesmal. Doch keine Angst, ein paar Monate später gibt’s ja wieder einen „Call“. Es muss ja spannend bleiben.

Ein paar kleine Verbesserungen wurden seit der ersten Auflage der Investitionsförderung gemacht, unterm Strich aber bleibt‘s ein unlustiger Graus.

Sind da LEDs dran?

Warum ich das so genau weiß? Ja, weil wir nochmals zugeschlagen haben. Nachdem unsere erste Anlage zu Hause so gut funktioniert, kommt jetzt die Erweiterung samt Stromspeicher.

Vor ein paar Tagen wurde der auch schon geliefert. Zwei nette Männer haben das schwere Teil reingeschleppt und gleich fachmännisch montiert. Großartig.

Meine Frage, ob der Akku dann vielleicht mit Blinklichtern, mit LEDs oder so den Ladestand anzeigen würde, konnten sie jedoch nicht beantworten:

„Wir montieren nur. Selbst können wir uns so eine Anlage nicht leisten“, meinte der Chef des Trupps. Tatsächlich hätten sie das, was sie da montieren, noch nie im Betrieb gesehen.

Wow! Dachte ich mir. Das ist schon wild.

Ich meine, es gibt ja kein Gesetz, dass man sich das Produkt der eigenen Firma als Mitarbeiter unbedingt leisten können muss. Aber erstens reden wir hier ja nicht von einem Ferrari und zweitens sind das genau die Fachkräfte, die uns den Weg zur Klimawende ebnen (müssen). Leute, die nicht nur g’scheit daherreden, sondern 200 kg schwere Batterien schleppen, Löcher in Wände bohren, Halterungen und Paneele montieren usw. Wir brauchen sie. Die Fachkräfte. Punkt aus.


WKÖ warnt!

Nicht ohne Grund hält die Wirtschaftskammer das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, also den Zwangsumtausch aller fossilen Heizsysteme bis 2035, für schlicht nicht umsetzbar, wie sie in ihrer Stellungnahme auf der Parlamentswebsite schreibt: „Es müssen in Österreich 1,5 Mio. Öl-/ Gasheizungen ersetzt werden. Das sind 700 Heizungen pro Tag - 10 Jahre lang. Bei der heutigen Kapazität an Installateuren könnten aber in 10 Jahren nur 150.000, also 10% von 1,5Mio., ersetzt werden.“

Unglaublich! Da werden Gesetze geschrieben, die Millionen Menschen mit Zwang zu besseren Klimajüngern erziehen sollen, mit massiven Belastungen einhergehen und dann schlicht und ergreifend nicht umsetzbar sind - weil uns die Handwerker fehlen.

Interessiert das eigentlich noch jemanden (da oben)? Also das Tun? Die tatsächliche Übersetzung von heißer Luft in Arbeit?

Und warum bezeichnet Bundeskanzler Nehammer die „EU-Sanierungspflicht“ für Häuser im „Bild“-Interview als „weltfremd und nicht umsetzbar“ während er ein ebenso weltfremdes und nicht umsetzbares Gesetz gerade durchs Parlament drückt?


Klassenkampf von oben.

Überhaupt ist das Bild der zunehmend autoritär angelegten Klimareligion – pardon – Klimapolitik desaströs. Wir werden gezwungen unsere intakten Heizungen herauszureißen. Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor werden verboten – als erster Schritt. Das Totalverbot für Verbrenner wird folgen. Sicher. Bei alternativen Elektrofahrzeugen kann man jedoch ungefähr die doppelten bis dreifachen Anschaffungskosten, bei bestenfalls der halben Reichweite, rechnen.

Investitionen in eigenen Sonnenstrom werden zwar zunehmend attraktiver, davon profitieren kann aber auch nur, wer die nötigen Voraussetzungen hat: Geld und Fläche.

Für alle anderen gilt: Daumenschrauben rauf!

Jährlich steigt die CO2 Abgabe. Jährlich rückt der Tausch der Heizung, die Zwangssanierung des Hauses näher und bald läuft auch das Auto ab. Wer nicht schnell und stark genug ist wird abgehängt. Bei so ganz nebenbei noch 11% Inflation. Es ist Klassenkampf von oben. Von Leuten mit 10, 20.000 € Monatseinkommen, von Ministern, die mehr auf korrektes Gendern achten als auf die Durchführbarkeit ihrer Gesetze. Gegen Menschen, die keine Schuld an der „Klimakrise“ tragen, sondern in der Welt, die ganz andere lenken, einfach nur zurechtkommen wollen. Einen Job haben, sich um ihre Familie, um ihre Kinder kümmern und jetzt doch für alles blechen sollen.

Kann die Demokratie sie retten?

(Kolumne erschienen auf exxpress.at am 31.03.23)





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