Kohle statt Sonne. Das neue Grün?

Während zehntausende Sonnenkraftwerke nicht ans Netz können, arbeiten die Grünen an der Reaktivierung alter Kohlemeiler und – wie könnte es anders sein – neuen Zwangsvorschriften. Für mich ein tragisch-komischer Treppenwitz.

Die menschgemachte Klimakrise.

Fossile Energien sind per Definition endlich – so weit, so klar. Dass vom Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas aber ganz unmittelbar unser eigenes Überleben und das vieler putziger, plakattauglicher Tierchen abhängt, ist uns jedoch erst seit ein paar Jahren bewusst. Oder bessergesagt, es wird uns bewusst gemacht.

Denn kaum ein schöner Sommertag, der nicht von irgendeinem Klimasprecher zum Vorboten des Jüngsten Gerichts verhunzt wird. Kaum eine Jahreszeit, die nicht zu mild, zu kalt, zu trocken, zu nass wäre, als dass sie vor den Hohepriestern der Klimareligion als „Göttinnen gefällig“ durchgehen würde.

Nein, der (menschgemachte) Klimateufel ist immer, überall und ursächlich für das Leid der Welt. Migration? Klimawandel! Artensterben? Klimawandel! Kriege? Klimawandel! Krankheit? Klimawandel! Hitze? Klimawandel! Kälte? Klimawandel! Klimawandel! Klimawandel! Klimawandel! Klimakrise! Klimawende?

Die blockierte Energiewende.

Doch wenn‘s darum geht etwas zu ändern, nicht nur zu jammern, sondern tatsächlich anzupacken, dann ist‘s offensichtlich nicht mehr 5 vor 12, sondern schon kurz nach 15 Uhr. Feierabend im Klimaministerium.

Wie sonst kann es sein, dass Frau Gewessler, am versiegenden Russengashahn baumelnd, plötzlich ihre Liebe zur Steinkohle entdeckt?

Statt in Erneuerbare zu investieren und endlich alle Hürden zur Energiewende zu beseitigen, soll als Erstmaßnahme der steirische Kohlemeiler Mellach wieder hochgefahren werden.

10.000e private PV-Anlagen liegen indes brach, weil ihnen der Netzzugang fehlt. Bis zu einem halben Jahr und länger wird man da in die Warteschleife geschickt. Offensichtlich hat niemand daran gedacht für die Energiewende auch die nötigen Kapazitäten zu schaffen und Flaschenhälse bei der staatlichen OeMAG und den teilstaatlichen Energieversorgern zu beseitigen.


Tropfen auf den heißen Stein.

Doch was rede ich? Ein paar private PV-Anlagen mit ein paar lächerlichen Megawatt-Leistung? Alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wie es jetzt selbst von Berufsgrünen heißt. Zudem wäre der Kohlestrom eine technisch-physikalische Notwendigkeit, weil Wind (Zitat Kogler: „Windrad ist eine bewegte Freiheitsstatue“) halt nicht immer bläst und die Sonne nicht immer scheint… Eigenartige Argumentation denke ich mir, zumindest der Wind zum Fähnchen drehen dürfte weiter wehen.

Was ist mit dem Ausbau der (Pump-) Speicher? Was mit öffentlichen Investitionen in Erneuerbare? Wo bleiben PV-überdachte Autobahnen?

Fortschritt lässt sich halt nicht durch (Klima-)Protest erzwingen – den muss man sich erarbeiten.

Tragisch-komischer Treppenwitz

Leichter ist‘s aber natürlich alte Kraftwerke anzuheizen, nach Ausreden zu suchen und am Ende wieder das zu tun, was Grüne Politik am besten kann: Mit dem erhobenen Zeigefinger uns arme Klimasünder tadeln, durch Öko-Steuern zum rechten Weg zu führen und (möglicherweise schon bald) durch Strafen auf selbigen zu zwingen.

Ein Energiespargesetz ist dem Vernehmen nach in Vorbereitung, geeignet uns alle endlich dafür zur Rechenschaft zu ziehen, was an den Schaltstellen der Macht jeden Tag stümperhaft in den Sand gesetzt wird.

Wäre es nicht so tragisch, man müsste ja fast lachen was wir Österreicher uns alles gefallen und in stoischer Ruhe über uns ergehen lassen. Wer weiß, vielleicht wird auch Frau Gewessler bald ein letztes Mal „ihr Ministerium“ verlassen und beim Blick zurück darüber schmunzeln müssen, wie lange das gut gehen konnte – die grüne Regierungsbeteiligung.

(Kolumne erschienen auf exxpress.at am 24.06.22)